Manchmal ist ja Alles ganz einfach. Dann fliegen einem die Sachen zu und jedes Problem löst sich von selbst. Ich sage dazu dann Gottvertrauen, meine Schwester nennt es unser Ding. Etwas, dass wir ans uns haben, dass Alles gelingt, dass Alles am Ende gut wird. Manchmal will das aber auch nicht so recht klappen. Oft kann man dann nur Abwarten. Das ist dann ein quälendes, schmerzliches, kummervolles Warten. Und man kann einfach Nichts tun.
Aber zum Glück gibt es auch Dinge, die man schon beeinflussen kann und bei denen man einfach dranbleiben muss. Dazu zählt mein neustes Kleid. Während ich tippe, trage ich es voller Stolz und mag es jetzt schon sehr, einfach weil es viel Arbeit gekostet hat. Der Schnitt ist eigentlich erprobt. Als Oberteil, Teil eines Unterkleides und als Nachthemd, weil der Stoff dann doch zu kitschig für ein Kleidchen war. Der Schnitt stammt aus meinem aller ersten japanischen Nähbuch und war auch der erste, den ich daraus genäht habe. Gefallen hat mir von vorneherein die langärmelige Variante mit Manschetten, aber das war mir damals noch zu schwer. Mittlerweile traue ich mich aber daran und so habe ich mich innerhalb der letzten Woche an die Arbeit gemacht. Der Ärmel musste selbst konstruiert werden, ist eine Abwandlung des im Schnittmuster vorhandenen Ärmels. Also habe ich mit Geodreieick, mit Rollschneiderlineal und längst vergrabenen Geometrie-
kenntnissen ein wenig gezeichnet und gegrübelt. Hat Alles gut geklappt. Statt einem Oberteil wollte ich doch lieber ein richtiges Kleid nähen. Das passte dann auch haargenau auf den Stoff. Geradeso. Das Nähen ansich war einfach. Das kann ich ja nun.
Auch die Manschetten und die kleinen Einschnitte am Ärmel sind gelungen. Finde ich. Mir fiel allerdings schon auf, dass der Ärmel für einen langen Ärmel ganz schon kurz war und dass sich der Stoff an der Manschette trotz meinen recht schmalen Handgelenken nicht annähernd überlappte. Die letzten Stoffreste waren allerdings im Mülleimer gelandet und in einer Portion Kaffeesatz gebadet. Erstmal übersah ich das Problem also geflissentlich und bezog Knöpfe für den Rückenverschluss.
Auch für die Manchetten wollte ich Knöpfe beziehen, aber da ich keine Hände für zu kleine Dinge habe, wollten diese, mit einem Durchmesse von nichtmal einem Zentimeter, nicht gelingen. Auch das verdrängte ich erstmal. Ich nähte Knopflöcher, was auch nicht zu meinen liebsten Aufgaben zählt, aber es klappte recht gut. Danach hing das Kleidchen soweit fertig am Schrank. Anklagend. Einfordernd. Ich habe es also hin und wieder angezogen (geschätzte dreimal am Tag) und beschlossen, dass das mit den zu kurzen Ärmeln garnicht so schlimm ist. Ferner habe ich für das Manschettenproblem eine Schlingenverschluss-
lösung erdacht. Da ich nun weder farblich passende, nämlich grau-beige Borte oder passendes Schrägband hatte, bin ich heute in die Stadt gezogen. Auch da fand der Farbton der mir so gut gefällt nicht seinesgleichen. Aber, tatsächlich, fand ich den gleichen Stoff nocheinmal! Wieder daheim verarbeitete ich diesen zu Schrägband, nähte Schlaufen, trennte auf, nähte die dazu gekauften Knöpfe an.
Das mit den Ärmeln ist tatsächlich nicht so gewichtig. Sie rutschen etwas hoch, aber das schränkt weder die Beweglichkeit noch die Gemütlichkeit ein. Weil ich nun ganz stolz auf mein Kleidchen war, hat es sich noch eine persönliche Signatur verdient. Meins. Ich habe ein bisschen geübt und dann meine Initialen ton in ton in eine Ecke gestickt. Das gefällt mir gut. Vielleicht mache ich das jetzt immer...
Also: Das ist das Kleid. Da ist die Stickerei.
Und soviel Platz habe ich darin.
Das ist so richtig, richtig toll geworden, dein Kleid.
AntwortenLöschenUnd aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen "Hut ab", dass du so unbeirrt und vertrauensvoll dran geblieben bist....Bei mir hängen auch solche "anklagenden + einfordernden" Stücke am Schrank- viele übereinander. Diese Warteschleife für Unvollendetes wird bei mir leider immer umfangreicher....Wobei ich auch voller Gottvertrauen davon überzeugt bin, dass sich (im diffusen)Irgendwann alles fügen wird. Es ist halt alles nur eine Frage der zeitlichen Dimension....oder so!
Danke für deinen Erfahrungsbericht von der "Lasse los und Vertraue"-front (oder reiß dich zusammen und bleib dran!???)
Lg
Wiebke
Gut, dass du das Wehklagen des Kleids erhört hast, es ist sehr schön geworden! Und die Weite ist klasse! Ich habe auch gerade ein (weites) Kleid aus einem Japanbuch fertig gestellt und dabei einige Änderungen vornehmen müssen. Eine zeitlang hing auch mein Kleid vorwurfsvoll in der Ecke, bis ich ihm noch eine Chance gegeben habe.
AntwortenLöschenVielleicht ist es sogar aus dem Buch, aus dem dein Schnitt stammt. Zumindest habe ich dort ein ähnliches Modell entdeckt.
Mein Kleid ist noch nicht fotografiert, aber in den nächsten Tagen findest du es in meinem Blog.
Weiterhin viel Spaß beim "Tüfteln"!
Hella
Schön, dass Du das Kleid fertig genäht hast. Es ist wunderschön geworden. Aber so ist das manchmal beim Nähen, selbst wenn der Schnitt eigentlich schon bekannt ist. Die kleine Stickerei finde ich äußerst apart.
AntwortenLöschenViele Grüße
Julia
Hallo, das mit den Initialen ist eine tolle Idee, das gefällt mir sehr.
AntwortenLöschenDas letzte Foto... ist entzückend, das "dreht" wunderbar.
"Hauptsache es dreht"
AntwortenLöschenwar der original Spruch meiner drei Töchter.
Echte Mädchen halt, das wichtigste war, dass Die Kleider schön abstanden beim Drehen.
Daher kam der Spruch:
"hauptsache es dreht"
Wie früher!
Deine Mama
Wie schön und schön speziell unikatig.
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
Pauline
Diese Japanischen Bücher scheinen wirklich toll zu sein. Wo bekommt man die denn her? Gibt es da "DAS" japanische Buch oder sind das dann doch unterschiedliche? Das Kleid gefällt mir jedenfalls außerordentlich gut :)
AntwortenLöschenLiebe Grüße,
minnies
ein wunderbares kleid! eines das raum lässt. nicht nur für den körper. um sich darin zu drehen. es lässt auch platz für die seele. damit man wieder mädchen sein kann. kreisel-träume. wunderbar!
AntwortenLöschenherzlich
daniela
nachtrag:
AntwortenLöschenda muss ich doch meinen gehrock nochmal neu auflegen!
lachende grüsse
d.